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"Damit die Kirche im Dorf bleibt - Wandel und Perspektiven gestalten" - Reinhard Miermeister referiert beim Stiftungsabend in Lienen

„Sieben Tage die Woche vermitteln wir den Menschen, wie wir uns als Kirche verstehen“, so Reinhard Miermeister, Landeskirchenbaudirektor i. R., in seinem Vortrag zum Thema „Damit die Kirche im Dorf bleibt – Wandel und Perspektiven gestalten“ am Stiftungsabend in der Ev. Kirche in Lienen. Vierzig Personen waren an diesem Abend in die historische Kirche gekommen, um bei Zwiebelkuchen und Federweißer über aktuelle Entwicklungen der Stiftung „Denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg“ informiert zu werden und sich auszutauschen.

„Kirchen haben eine Bedeutung für uns alle, egal, ob wir Christen sind oder nicht“, betonte der Referent. Es scheine einen gesellschaftlichen Konsens darüber zu geben, dass es unter sich verändernden Rahmenbedingungen weiterhin Orte der Begegnung und Gemeinschaft geben müsse. „Der Einbau des Gemeinderaums in der Ev. Kirche in Lienen ist ein gelungenes Beispiel dafür“, meinte er. Gute Vorrausetzungen für diese erfolgreiche Umsetzung seien das engagierte Pfarrerehepaar Bethlehem und die aufgeschlossene Kirchengemeinde in Lienen gewesen. Der Gemeinderaum nehme optisch Bezug auf den Kirchraum und sei vom Kirchenarchitekten Bernhard Hirche (Hamburg) gut durchdacht worden.

In der Evangelischen Kirche von Westfalen seien fast die Hälfte aller Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden, so Reinhard Miermeister. Heute sind viele von ihnen zu groß, doch sich elegant von ihnen zu verabschieden, sei schwierig. Stehe eine bauliche Änderung einer Kirche oder eines Gemeindehauses an, sollten die Beteiligten im Vorfeld den notwendigen Bedarf, die Finanzierung, die Machbarkeit und die Frage, ob ein Umbau oder Anbau zielführend sei, klären. „Ich empfehle flankierende Öffentlichkeitsarbeit und die Teilnahme an Architektenwettbewerben“, so der Experte. Dabei sei auch die Frage, ob es um eine Neugestaltung der Kirche oder einen Umbau gehe, zu klären. An spannenden Beispielen aus seinem Alltag als Architekt im Landeskirchenamt veranschaulichte er Möglichkeiten der Nutzungsvielfalt von Kirchengebäuden. So sei eine Kirche in Gelsenkirchen-Hassel zu einem Begegnungszentrum umgebaut worden, in Gelsenkirchen-Buer seien Wohnungen (Sozialer Wohnungsbau) in eine Kirche eingebaut worden, in Bottrop wurden diakonische Einrichtungen ins Umbaukonzept miteinbezogen. Auch eine Kirche, die gezielt zur Jugendkirche umgebaut wurde, stellte er vor. Ein besonderes Konzept finde sich in der Paulikirche in Soest: Hier sind ein Gottesdienstraum und ein Kolumbarium im Kirchraum vereint. Eine Künstlerin hat mit Glaswänden, die sich „Lebenswege“ nennen, beide Bereiche optisch unterteilt. Die Gestaltung solle die Gemeinschaft der Lebenden mit den Toten verbinden.  

Superintendent André Ost (Kirchenkreis Tecklenburg) zog das Fazit: „Es ist eine große Herausforderung, denkmalwerte Kirchen in ihrer Nutzung zu erhalten. Reinhard Miermeister hat uns dazu eindrucksvolle Gestaltungsmöglichkeiten aufgezeigt“.

Der Superintendent begrüßte Reinhard Schmitte, den Verwalter des Ev. Friedhofs, der als „Urgestein“ der Gemeinde auch als Nachtwächter in Lienen unterwegs ist. Er brachte den Anwesenden mit einigen Anekdoten aus der Gemeindegeschichte den Kirchraum nahe. „Die Kirche ist ein lebendiger Organismus“, so Reinhard Schmitte. Tränen, Fröhlichkeit, Krankheit, die Kirche habe schon viel Menschliches erlebt. „Früher ging man in die Kirche, um anzubändeln. Heute braucht man den Gottesdienstbesuch zu diesem Zweck nicht mehr“, meinte er schmunzelnd.

Die Stiftung „Denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg trägt zur Unterhaltung der Kirchen im Blick auf die Zukunft bei, so Stiftungsvorstand Superintendent i. R. Hans Werner Schneider. Ihr Ziel sei es, das historische Gedächtnis zu fördern. Pfarrer Dr. Wilhelm Wilkens, der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Tecklenburg und langjährige Gemeindepfarrer in Lienen, habe sich für die Gründung dieser Stiftung stark gemacht. Wilhelm Wilkens war im März 2018 verstorben. Die Gäste des Stiftungsabends erinnerten sich an in einer Gedenkminute.

„Ein großer Teil der Zuwendungen, die die Stiftung im Rechnungsjahr 2017 erhalten hat, kommen aus der kreiskirchlichen Kollekte“, berichtete Marlies Beckemeyer, Mitglied im Stiftungsvorstand. Im Kirchenkreis gebe es 21 denkmalwerte Kirchen, deren Erhalt durch die Stiftung ermöglicht werden sollte. Im Jahr 2017 habe die Summe der Zustiftungen 5.338,89 € betragen. Das Kuratorium hoffe auf weitere Unterstiftungen, um die Kirchen in eine gute Zukunft zu führen.

„Wir freuen uns, dass der Stiftungsabend in der Ev. Kirchengemeinde Lienen stattfindet“, betonte Presbyter Dr. Edgar Klinger. Die Gemeinde sei froh, dass es die Stiftung gebe, denn alleine seien Umbauprojekte für Kirchengemeinden nicht zu stemmen. Am Stiftungsabend hatten die Zustifter die Möglichkeit, sich ins Stifterbuch einzutragen.

Text: Christine Fernkorn

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