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„Die Antworten der Politik auf den Pflegenotstand sind nicht ausreichend“ - Mitgliederversammlung des Diakonischen Werks

„Unser Problem ist derzeit nicht die Wirtschaftlichkeit unseres Werkes. Gott sei Dank“ so Stefan Zim-mermann, geschäftsführender Vorstand des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Tecklenburg in seinem Jahresbericht 2017 im Rahmen der Mitgliederversammlung in der Jugendbildungsstätte Tecklenburg. Das eigentliche Problem sei der Fachkräftemangel. „Wir nehmen mit großer Sorge wahr, wie schwer es fällt, neue Mitarbeitende zu gewinnen“ berichtete er. Immerhin gelinge dies dem Diakonischen Werk noch einigermaßen. Bei vielen anderen Anbietern sei dies nicht der Fall, berichtete Stefan Zimmermann.

„Die Antworten der Politik auf die Lawine des Pflegenotstands, die ungebremst auf uns zurollt, sind nicht ausreichend“ kritisiert er. „Wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn davon spricht, dass 13.000 neue Stellen für Pflegekräfte geschaffen werden sollen, ist dies bundesweit nicht nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein“ unterstrich er. Man frage sich eher, wie diese Stellen besetzt werden sollen. Denn wenn es genügend arbeitslose Fachkräfte gäbe, hätten diese alle schon längst eine Anstellung, sei er sich sicher. Eine höhere Vergütung und mehr Aufstiegschancen seien ein Anreiz, um mehr Menschen davon zu überzeugen, eine Ausbildung im Pflegebereich zu absolvieren, so Zimmermann weiter. Da die Anforderungen stiegen und die Belastung für viele Mitarbeitende stärker würde, habe der Vorstand gemeinsam mit der BKK Diakonie einen Gesundheitszirkel für Mitarbeitende ins Leben gerufen, an dem das Qualitätsmanagement und die MAV beteiligt seien. Stolz sei der Vorstand auf die engagierte Arbeit der Mitarbeitenden. Im November habe das Frauenhaus in Rheine sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Freude und Hoffnung standen bei diesem Jubiläum im Vordergrund, so Zimmermann. „In den letzten 30 Jahren haben hunderte Frauen und Kinder Zuflucht im Frauenhaus gefunden. Es freut mich, wenn ich sehe, dass Menschen gerade an schwierigen Wendepunkten ihres Lebens so viel Vertrauen haben, dass sie sich an uns wenden“, betonte er.

Superintendent André Ost, Vorsitzender des Verwaltungsrats des Diakonischen Werks, stellte den Jahresbericht unter das Bibelwort „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“. Dies, so Ost, sei ein wahrhaft diakonisches Motto. Wenn uns die Schatten des Lebens befielen und wir an die Grenzen der Selbsthilfe und der eigenen Ressourcen stießen, dann bewähre sich Zusammenhalt, dann gelte es, Nächstenliebe zu geben, machte der Superintendent deutlich. „Diesen wirksamen Rahmen von Hilfe und Unterstützung stellt bei uns das Diakonische Werk zur Verfügung – aus christlicher Überzeugung, mit menschlichem Gesicht und professionellem Geschick“ unterstrich André Ost. In diesem Zusammenhang dankte er dem Vorstand für die „tolle Arbeit“ und den Mitarbeitenden für ihr Engagement und erinnerte an das 50-jährige Jubiläum des Diakonischen Werks im Jahr 2017. In seiner Andacht zur Eröffnung der Mitgliederversammlung wies Pfarrer Jürgen Nass, Theologischer Vorstand des Diakonischen Werks, darauf hin, dass bereits im Alten Testament sichtbar werde, dass Glaube und diakonisches Handeln zusammengehörten. Es könne nicht sein, folgerte Nass, dass Flüchtlingen, die auf Schiffen im Mittelmeer umherirrten, keine Zuflucht gegeben werde.

„Wir können uns zum wiederholten Male über ein wirklich gutes Jahresergebnis freuen“ meinte Superintendent André Ost. Dies sei nicht selbstverständlich. „Als Kirchenkreis machen wir uns immer wieder bewusst, dass der jährliche Zuschuss aus Kirchensteuermitteln für das Diakonische Werk wirklich gut angelegtes Geld ist“ berichtete André Ost. Dieser Zuschuss ermögliche es, Beratungsangebote abzusichern, die nicht voll refinanzierungsfähig seien. „Zu den wichtigen Beratungsangeboten zähle ich unter anderen die Regionale Flüchtlingsberatung“. Saskia Münch sei eine kompetente, hilfsbereite Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, berichtete André Ost. „Diese Arbeit der Asylberatung und Integrationshilfe ist nach wie vor wichtig, allen gesellschaftspolitischen Tendenzen zur Beseitigung der Flüchtlingsfrage zum Trotz“, machte er deutlich. „Als Kirche und Diakonie sehen wir da um der betroffenen Menschen Willen nach wie vor einen Auftrag, den wir ernst nehmen“, meinte er.

Ein weiteres wichtiges Beratungsangebot leiste die Frauenberatungsstelle in Rheine, die in den letzten Jahren ein profiliertes Angebot in Ergänzung zur Arbeit des Frauenhauses geworden ist. In Überlegung sei, dort eventuell ein Beratungsangebot für sexualisierte Gewalt anzudocken. „Das würde uns ganz sicher nützlich sein, zumal wir ja dem Thema „Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung“ im Kirchenkreis Tecklenburg jetzt besondere Aufmerksamkeit widmen“, berichtete er.

Bei den jährlich stattfinden kreiskirchlichen Visitationen in den Kirchengemeinden wolle der Kirchenkreis jetzt verstärkt nach dem diakonischen Blickwinkel der Gemeinden fragen, so der Superintendent.

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