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„Dietrich Bonhoeffer ist ohne seine geliebte Musik nicht vorstellbar“- Geistlicher Liederabend in Wersen

Dass Dietrich Bonhoeffer weit mehr als ist sein wohl bekanntestes Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, erfuhren Anfang November die Frauen und Männer, die zum Gottesdienst in Form eines geistlichen Liederabends in die evangelische Kirche zu Lotte-Wersen gekommen waren. Auf Einladung der Kirchengemeinde und ihrer Pastorin Jutta Kiquio war die Mezzosopranistin Stefanie Golisch aus Bremen zu Gast.

Sie ließ nicht nur das Leben des Theologen und NS-Widerstandskämpfers in Texten Revue passieren, sondern ergänzte ihren Vortrag durch  Lieder, die Dietrich Bonhoeffer während seiner zweijährigen Haft, zunächst im Wehrmachts-Untersuchungsgefängnis Tegel, danach im  Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamtes, in seinen Briefen erwähnt hatte, bevor er als Mitverschwörer des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 im Konzentrationslager Flossenbürg am 9. April 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, gehängt wurde.

„Dietrich Bonhoeffer ist ohne seine geliebte Musik nicht vorstellbar“, sagte Golisch und unterstrich diese Feststellung mit dem folgenden Zitat Bonhoeffers auf dem Programm des Abends: „Luther hat oft gesagt, daß die Musik nächst dem Wort Gottes das Beste sei, was der Mensch habe“.

Seine Liebe zur Musik war es neben seinem Glauben und dem Rückhalt durch seine Familie und Freunde, die ihm die Kraft gab, seine Gefangenschaft zu ertragen. Stefanie Golisch folgte dem Lebenslauf des Studenten Bonhoeffer, der in Tübingen und Rom vom Katholizismus fasziniert gewesen und dadurch zum Anhänger der Ökumene geworden sei. Da der junge Theologe, der schon mit 21 Jahren promoviert, mit 24 Jahren habilitiert wurde, zu jung für den Dienst als Pastor war, wechselte er für ein Jahr als Stipendiat an das Union Theological Seminary in New York. 1931 sei er in ein Deutschland voller sozialer Unruhen zurückgekehrt, in dem die Leitung der evangelischen Kirche der NSDAP begeistert gefolgt sei. Bonhoeffer, inzwischen mit einem Lehrauftrag an der Berliner Universität, habe sich nicht gescheut, Farbe zu bekennen, und damit viele Studenten angezogen.

Golisch skizzierte weiter Bonhoeffers Weg, erinnerte an eine Radioübertragung, in der der Theologe am 1. Februar 1933, unmittelbar nach der Machtergreifungen Hitlers, verlangte, die Machtfülle des Kanzleramtes zu begrenzen („Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gott“), die abgebrochen worden sei, und sprach vom Kirchenkampf und von Bonhoeffers Friedensrede im August 1934 bei einer ökumenischen Konferenz auf der dänischen Insel Fanö. Sie folgte dem Weg vom Schreib- und Veröffentlichungsverbot über den Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zu Bonhoeffers Inhaftierung.

Der Theologe habe lange als Vaterlandsverräter gegolten, erst 40 Jahre nach seinem Tod habe es eine kritische Gesamtausgabe seiner Werke gegeben, wusste die Referentin.

Neben dem Lied „Von guten Mächten“, das Stefanie Golisch zu Beginn in der bekannten Vertonung von Siegfried Fietz und zum Abschluss in der selten gesungenen musikalischen Fassung von Otto Abel gemeinsam mit der Gemeinde anstimmte, intonierte sie, sich selbst am Klavier begleitend, Lieder von Bach, Schubert, Wolf und Hoppe.

Dietlind Ellerich

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