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„Du Jude“ – Alltäglicher Antisemitismus in Deutschland“ - Ausstellung mit Begleitprogramm: 20. Oktober - 25. November 2022

Häufig wird Judenfeindschaft immer noch als historisches Phänomen betrachtet und vorwiegend mit dem Nationalsozialismus verknüpft. Dass Antisemitismus jedoch ein alltägliches Problem für Jüdinnen und Juden in Deutschland darstellt, er verschiedene, auch neuere Formen annimmt und in allen Schichten der Gesellschaft anzutreffen ist, darauf weisen empirische Studien seit Jahren hin.

Daraus ergibt sich der Bedarf einer umfassenden politischen Bildungsarbeit. Der jährliche Bericht des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) 2022 belegt 2738 antisemitische Übergriffe in Deutschland, Tendenz steigend. Die Dunkelziffer nicht gemeldeter Vorfälle ist jedoch höher.

Warum das Thema Antisemitismus?

Mit der Ausstellung “Du Jude!” - Alltäglicher Antisemitismus in Deutschland“ in Westerkappeln werden aktuelle Formen der Judenfeindschaft zum Thema gemacht. Die Ausstellung informiert nicht nur grundsätzlich über Antisemitismus, sondern stellt vor allem den Bezug zu Alltagswelten von Jugendlichen her. Dies geschieht mithilfe von zahlreichen Beispielen, unter anderem aus den Bereichen Musik, Sport, Internet und natürlich Schule. Die Perspektiven und alltäglichen Erfahrungen von Jüdinnen und Juden sowie die Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland werden so sichtbar gemacht.

Öffentlichkeitsreferentin Christine Fernkorn führte vorab zu der Ausstellung ein Interview mit Pfarrerin Adelheid Zühlsdorf-Maeder (Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Tecklenburg) und Pfarrer Olaf Maeder, Pfarrer in der Kirchengemeinde Westerkappeln. Veranstalter sind der Kirchenkreis Tecklenburg, die Kirchengemeinde Westerkappeln, die Erwachsenenbildung im Kirchenkreis sowie die Kölnische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.   

Worum geht es in der Ausstellung?

Adelheid Zühlsdorf-Maeder: Die 21 Ausstellungstafeln informieren und sensibilisieren für die verschiedenen Formen von Antisemitismus. Sie richtet sich an Jugendliche und bezieht deren Alltagswelt mit ein, aber auch an Erwachsene. Neben grundsätzlichen Informationen zum Antisemitismus, thematisiert sie aktuelle neue Formen von Judenfeindschaft und Verschwörungstheorien.

Was können die Besucher erwarten?

Adelheid Zühlsdorf-Maeder: Das Begleitprogramm bietet verschiedene weitere Informations- und Gesprächsformate mit ausgewählten Fachleuten zum Thema. Hier werden besondere Schwerpunkte des Themas vertieft, man hat die Möglichkeit für Fragen und Austausch.

Die Eröffnungsveranstaltung mit Prof. Dr. Mokrosch (am 20. Oktober) bietet eine erste, sicher wieder spannende und anschauliche Einführung und einen Ausstellungsüberblick. Reinhold Mokrosch ist Professor am Institut für Evangelische Theologie an der Universität Osnabrück. Zehn Jahre lang war er 2. Vorsitzender der „Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ und der „Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft“ und wird seine langjährigen besonderen Erfahrungen einbringen.

Welche Highlights bietet das Begleitprogramm?

Adelheid Zühlsdorf-Maeder:  Das ist schwer zu sagen. Die Veranstaltungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte und beleuchten das Thema unter verschiedenen Aspekten, die uns wichtig oder aktuell erscheinen. Insofern sind sie alle Spotlights und verdeutlichen das Anliegen.

Adelheid Zühlsdorf-Maeder: Ich freue mich sehr, dass Axel Töllner nach Westerkappeln zu einer Veranstaltung (am 25. Oktober) kommt. Er ist Beauftragter für den christlich-jüdischen Dialog in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Mitherausgeber einer neuen Bibelausgabe "Das Neue Testament jüdisch erklärt". Diese Veranstaltung liegt mir schon sehr am Herzen, weil es ohne das Judentum kein Christentum gäbe, aber dennoch Antisemitismus leider auch immer wieder christlich motiviert war. Mich interessiert der aktuelle Dialog zwischen den beiden Religionen. Sehr interessant finde ich auch, was Stefan Querl (am 10. November), Beauftragter gegen Antisemitismus der Stadt Münster, über Formen aktuellen Antisemitismus und Verschwörungstheorien bei uns im Münsterland berichten wird.

Olaf Maeder:Ich freue mich auf die Veranstaltung mit Sandra Lüpkes. Sie ist bekannt als Krimiautorin und zusammen mit Jürgen Kehrer auch als Drehbuchautorin der Wilsberg-Krimis. Sie hat 2020 einen bewegenden Roman über eine Reform-Schule und ihre Heimatinsel Juist in der spannungsreichen Zeit der Weimarer Republik ab 1925 veröffentlicht: "Die Schule am Meer". Im Rahmen des Begleitprogramms wird sie (am 3. November) aus dem Buch lesen und über dieses Buchprojekt berichten.

Zusammen mit dem Männerkreis Westerkappeln und laden wir zudem unter der Überschrift "Ein Kibbuz in Westfalen" (am 14. November) ein zu einem spannenden Kapitel in der Westerkappelner Geschichte. Der Historiker und Redakteur Gisbert Strotdrees hat in jahrelanger Recherche Quellen zusammengetragen über einen Kibbuz, den es von 1933 bis 1939 auf einem Bauernhof in Westerkappeln gab.

Gibt es auch Führungen?

Die Ausstellung ist geöffnet für Besucher:innen im Dietrich Bonhoeffer-Haus: Mo. - Do. 10 - 18 Uhr. Wir freuen uns, wenn interessierte Gruppen und Schulklassen sich melden und Führungen anfragen:

Pfarrerin Adelheid Zühlsdorf-Maeder

Pfarrer Olaf Maeder

Tel.: 05404 / 96360 (Kirchenbüro),

05456 / 1205 (Pfarrhaus Velpe)

E-Mail: erwachsenenbildung@jubi-te.de

 

Was wünschen und erhoffen Sie sich?

Dass das wichtige und auch aktuelle Thema möglichst viele Menschen anspricht und sie in die Ausstellung und zu unseren Veranstaltungen kommen. Dass es einen regen Austausch gibt. Dass Menschen informiert werden und sprachfähig werden gegenüber aktuellen antisemitischen Äußerungen im Alltag.

Den Flyer mit allen Veranstaltungen zur Ausstellung finden Sie unter dem Foto zu dieser Meldung. 

 

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