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„Faire Kita“: Wie Lotter Kindergartenkinder Nachhaltigkeit lernen

Die Evangelische Kita in Lotte-Wersen darf sich jetzt „Faire Kita“ nennen. Was bedeutet die Auszeichnung und was hat die Einrichtung dafür getan? Ein Ortsbesuch.

Bei der Leiterinnenkonferenz des Kitaverbundes im Kirchenkreis Tecklenburg habe ein Mitarbeiter des Kreises Steinfurt das Projekt „Faire Kita“ vorgestellt, das ein Förderkreis im Jahr 2020 initiiert habe, berichtet Christiane Hommel, Co-Leiterin der Evangelischen Kita in Wersen. Bei ihrem Team und der Elternschaft habe sie keine Überzeugungsarbeit leisten müssen, sich dem Projekt anzuschließen.

Ein „Faires Team“ habe sich im Kindergarten schnell gefunden. Darin engagieren sich Erzieherin Heidrun Kijewski, Mutter Marita Schwegmann und sie. Für Förderverein und Eltern sei es selbstverständlich, diese nachhaltige Idee in der Kita zu unterstützen, betonte Simone Steinmann, Vertreterin für Förderverein und Elternrat. Tatsächlich erfüllte die Einrichtung die vorgegebenen Kriterien, bewarb sich mit einer bebilderten Dokumentation - und erhielt schließlich Urkunde und Plakette.

Faire Produkte vor Ort einkaufen

In diesem Sommer sei das Projekt in der Kita in den vier Gruppen präsent gewesen, berichtet Hommel. Die Vorschulkinder hätten viel über Kakao gelernt - und zwar über den zum Backen und den zum Trinken. Entrüstet berichtet der fünfjährige Bennet von einem Film, den die Kinder gesehen haben: „Da hat ein Flugzeug giftigen Dünger über die Bananen-Plantage gespritzt. Einige Menschen haben gehustet.“ Daher sei es gut, wenn man beim Kaufen von Kakao und Schokolade auf die unterschiedlichen Fair-Trade-Siegel achte, betont der Junge.

Der ebenfalls fünfjährige Devin war indes angetan von der Kakao-Bohne, die Erzieherin Heidrun Kijewski mitgebracht hatte: Die rieche so gut nach Schokolade. „Wir haben von der Bohne auch etwas über einen Kuchen gerieben“, was die Kinder sehr beeindruckt habe, berichtet die Erzieherin.

Devin und die anderen Kinder wissen nun auch, dass man auch beim Kauf von Bananen und „Kaffee für große Menschen“ auf das Siegel achten sollte. „Mit dem Zeichen gibt es auch Ananas, Schokoaufstriche und Tee-Sorten“, ergänzt Bennet. Manche Kinder hätten ihre Eltern verblüfft, weil sie die unterschiedlichen Kennzeichnungen für fair produzierte und gehandelte Produkte kannten, verrät Kijewski schmunzelnd.

Aktionen zum Thema Nachhaltigkeit

In den vier Gruppen mit ihren insgesamt 86 Kindern seien zudem die Themen Nachhaltigkeit, Wasserkreislauf und Upcycling vertieft worden. „Upcycling haben wir beim Basteln von Laternen angewendet“, berichtet Hommel: Aus leeren Kunststofflaschen seien tolle Laternen entstanden. Damit hätten die Kinder aktiv Verantwortung für die Umwelt übernommen und mit anderen geteilt: „Das hat dann gut zu St. Martin gepasst“, der sich verantwortlich für den frierenden Mann fühlte und seinen Mantel mit einem Bettler teilte.

Der Förderverein sponserte derweil nach den Wünschen des Kinderrats Kräuter, Tomaten und Kohlrabi für das Hochbeet. „Die Kinder haben sich reihum ums Gießen gekümmert und drauf geachtet, dass die Pflanzen wachen“, blickt Steinmann zurück. Dem Nachhaltigkeitsgedanken habe der Förderverein überdies Rechnung getragen, als er das Gestell für eine Matschküche im Garten aus Palettenholz baute, berichtet die engagierte Mutter.

Nachhaltigkeit im Kita-Alltag

Um Nachhaltigkeit im Kita-Alltag zu leben, würden neuerdings noch mehr mehrfach verwendbare statt Einwegbehälter eingesetzt, berichtet Hommel. Kijewski ergänzt, dass alle beim Kauf der Zutaten fürs selbst gemischte Frühstücksmüsli auf das Fair-Trade-Zeichen achteten.

Ralf Evers, neuer Geschäftsführer des Kindergartenverbunds im Evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg, lobt das Engagement: „Ich finde es gut, dass die Kinder Fair Trade und Nachhaltigkeit in der Einrichtung leben.“

Steinfurter Bildungskiste

Dazu passe hervorragend, dass der Kreis Steinfurt eine Bildungskiste zum Thema „Dem fairen Frühstück auf der Spur“ verleiht, freut sich Hommel. Diese Bildungskiste solle alsbald in die Wersener Einrichtung geholt werden. Entwickelt wurde sie von der Mission Eine Welt, dem Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, mit Bewegungselementen und einer Traumreise. Die Handpuppe Sali erklärt den Kindern spielerisch und altersgerecht die globalen Zusammenhänge der Lebensmittelerzeugung, etwa am Beispiel Kakao.

So geht es in Wersen weiter

Hommel zufolge ist zum Thema Nachhaltigkeit außerdem ein Onlineseminar vorgesehen - Titel: „Knack die Nuss“. Sollte im nächsten Jahr ein Sommerfest möglich sein, werde den Besuchern das Fair-Trade-Projekt vorgestellt. Heidrun Kijewski ergänzt, dass die Aktion bereits jetzt bei vielen Wersener Familien das Bewusstsein für faire Produktion und Handel gefördert habe. „Wir als Förderverein bleiben an dem Thema dran“, betonte auch Simone Steinmann.

Bericht: NOZ/ ©Ursula Holtgrewe

 

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