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Für den Frieden in der Welt - Gottesdienst am Volkstrauertag in Ibbenbüren-Laggenbeck

14. November 2021: Volkstrauertag – ein Tag, an dem all derer gedacht wird, die in Kriegen und durch Terror ihr Leben lassen mussten. Frieden zu schaffen und zu bewahren, lautet die Lehre, die aus der Vergangenheit zu ziehen ist. Was können wir im Alltag dafür tun? Dies war das zentrale Thema in einem Gottesdienst in Ibbenbüren-Laggenbeck:

„Über Abgründe hinweg – Frieden stiften; durch Widerstände hindurch – Frieden erfahren; wider alle Vernunft – dem Frieden eine Chance geben“, mit diesen einleitenden Worten begrüßte Pfarrerin Judith Schäfer ca. 30 Besucher, die am Volkstrauertag unter Einhaltung der 3 G – Regel in die Laggenbecker Johanneskirche gekommen waren.

Mehdi, ein junger Iraner, seit einigen Jahren in Ibbenbüren lebend, trug mit eindrücklichem Gitarrengesang zur musikalischen Gestaltung der Feier bei. Nachdem zwei Konfirmanden einen Text aus dem Matthäusevangelium gelesen hatten, in dem Jesus u. a. von sich sagt, er sei fremd in die Welt gekommen und man habe ihn aufgenommen, stellte der ehemalige Laggenbecker Pfarrer Reiner Ströver die Flüchtlingshilfe Laggenbeck vor, die im Oktober 2015 gegründet wurde. Es sei eine ökumenische Gruppe, deren Tätigkeit aus drei Säulen bestehe: dem Café international, das sich derzeit monatlich treffe, dem Sprachunterricht und der Nachhilfe in Schulfächern sowie der Einzelfallhilfe. Angela Merkel habe 2015 die ermunternden Worte gesprochen: „Wir schaffen das!“ Und in Laggenbeck, so Ströver, sei vieles geschafft worden, denn die Flüchtlinge hätten Wohnung und Arbeit, Sprachprüfungen bestanden und einige den Führerschein erworben; ein Mann sei sogar stolzer Besitzer des Lkw – Führerscheins.

Wer Flüchtlingen helfe, folge Jesus nach, so Ströver, trage dazu bei, sie auf- und anzunehmen. Das würde auch an den Beispielen von Sadete und Zahra deutlich. Damit leitete Ströver über zu den Berichten von zwei jungen Frauen. Zunächst erzählte Sadete von sich und ihrer Familie: Anfang 2014 war sie mit ihrem Mann aus Albanien nach Ibbenbüren gekommen, brachte im Sommer des Jahres hier ihre Tochter zur Welt. Da der Asylantrag abgelehnt wurde, zog die Familie die freiwillige Ausreise einer Abschiebung vor. 2017 kam sie für drei Wochen auf Einladung der Kirchengemeinde wieder nach Laggenbeck. Sadete und ihr Mann unterschrieben jeweils einen Arbeitsvertrag bei einer Tankstelle – eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sie nach Ankunft in Albanien mit Aussicht auf Erfolg ein Visum für Deutschland beantragen konnten. Während Sadetes Mann zur Jahreswende 2019 / 2020 nach Ibbenbüren durfte und seine Arbeitsstelle antrat, musste sie selbst mit ihrer Tochter bis Februar 2021 warten. Seither wohnt die Familie vereint in Ibbenbüren.

Zahra verließ 2014 Afghanistan und erreichte - nach mehreren Zwischenstationen - 2017 das Tecklenburger Land, wohnt in Laggenbeck mit Mann und vier Kindern. Wegen der erneuten Herrschaft der Taliban in Afghanistan machen sich Zahra und ihre Familie große Sorgen um die in der alten Heimat verbliebenen Angehörigen und Freunde. - Mit den Fürbitten um Frieden in der Welt und dem Vaterunser, von Sadete auch in ihrer Muttersprache vorgetragen, endete der Gottesdienst.

Text: Friedrich Lampe

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