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Gemeinsame Werte von Religionen kennenlernen - Einladung in die Ausstellung in Westerkappeln

Ein gemeinsames „Weltethos“ an das sich alle Gesellschaften halten, war die Vision des deutschen Theologen Hans Küng (1928 – 2021). Er schuf damit die Grundlage für ein weltweites Bewusstsein grundlegender Werte sowie für ein friedliches und respektvolles Miteinander über die Grenzen von Religionen, Kulturen und Nationen hinweg.

Um diese Gedanken um den Globus zu tragen, hat die von Küng gegründete „Stiftung Weltethos“ die Ausstellung "Weltreligionen - Weltfrieden - Weltethos" konzipiert und in die Tat umgesetzt.

Sie lädt dazu ein, die faszinierende Welt der Religionen kennenzulernen und die Bedeutung der ethischen Botschaften in ihrer Relevanz für unsere heutige Gesellschaft besser zu verstehen, heißt es in der Ankündigung. Die Vision eines globalen Bewusstseinswandels hatte Küng bereits 1990 in dem Buch „Projekt Weltethos“ vorgelegt. Seine Ideen mündeten 1993 in die „Chicagoer Erklärung“ des „Parlaments der Weltreligionen“. Darin wurden Gewaltlosigkeit, Solidarität, Toleranz, Wahrhaftigkeit und Gleichberechtigung als Leitlinien festgeschrieben.

Pastor Olaf Maeder aus Westerkappeln und Pfarrerin Adelheid Zühlsdorf-Maeder von der Erwachsenenbildung des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg konnten Walter Lange von der Stiftung Weltethos für den Eröffnungsvortrag am 7. Oktober 2021 im Dietrich-Bonhoeffer-Haus gewinnen. Der Schüler, langjährige Mitarbeiter und profunde Kenner des streitbaren Theologen Hans Küng schöpfte aus seinem reichen Erfahrungsschatz, um den Zuhörern Gemeinsamkeiten der Weltreligionen und deren Einfluss auf Wertesysteme der modernen Gesellschaft nahezubringen. Dazu hatte er eine Präsentation erarbeitet, in der acht Weltreligionen - Hinduismus, Religionen Chinas, Buddhismus, Judentum, Christentum, Islam, Sikhismus und Bahaitum – näher vorgestellt wurden.

Lange betonte die große Bedeutung des Dialogs. Mit Schülern hatte er vier „Weisungen“ in die heutige Zeit „übersetzt“, die in allen großen Weltreligionen zu finden sind: Ehrfurcht vor dem Leben, Fairness, Gerechtigkeit und Respekt. Sie basieren auf Küngs Postulat „Jeder Mensch muss menschlich behandelt werden“. Die „Goldene Regel“ der gegenseitigen Rücksichtnahme oder das Prinzip des „Wu Wei“ als Kraftquell kamen ebenfalls zur Sprache. Der Leiter des Büros der Stiftung in Castrop-Rauxel widmet sich insbesondere der Verbindung zu jungen Menschen. Während seiner eigenen Lehrtätigkeit lag ihm dieser Dialog besonders am Herzen. Er habe in den Religionsunterricht Kinder aller Konfessionen eingebunden, erzählte er. Küngs Buch „Spurensuche“ sei ein wertvoller Kompass auf der Suche nach Halt im Leben. Nach dem Vortrag wurde vor allem über das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen in Westerkappeln diskutiert. Es fehle an Möglichkeiten, im Alltag miteinander ins Gespräch zu kommen, bedauerten die Teilnehmer.

Schüler der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln hatten mit ihrer Religionslehrerin Maria Herberhold Gelegenheit, von Walter Lange detaillierte Informationen über die Inhalte der Ausstellung zu bekommen. In einem munteren Zwiegespräch wurden sie darin geschult, in den nächsten Monaten als „Schülercoaches“ Küngs Beobachtungen in unsere Welt zu übertragen. Dabei zeigte sich, dass die Grundforderungen an ein friedliches Zusammenleben der Menschen nach wie vor gültig sind. Sie müssten allerdings beachtet und angewandt werden. Dass dies nicht immer der Fall ist, wurde in dem Gespräch immer wieder betont.

„Ihr dürft bei den Erklärungen für eure Mitschüler kreativ mit den Tafeln umgehen“, ermunterte sie der Referent. Die Schüler betrachteten die ausgewählten Fotos auf den Tafeln teils kritisch und sahen sie als unpassend oder veraltet an. Auch mit den aufgestellten Thesen waren sie nicht immer einverstanden.

Die Ausstellung ist noch bis März 2022 im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Kirchstr. 5 in 49492 Westerkappeln zu sehen. Sie ist täglich (außer freitags) von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Text: Brigitte Striehn

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