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„Habemus cantorem“ - Kantor Marco Johanning in Ev. Stadtkirche Lengerich in den Dienst eingeführt

Marco Johanning ist angekommen an seiner neuen Wirkungsstätte. Das wurde in dem Gottesdienst deutlich, in dem er am ersten Novembersonntag – coronabedingt erst neun Monate nach seinem Dienstantritt im Februar – als Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Lengerich offiziell eingeführt wurde.

Die Feierstunde in der Stadtkirche, die Pastorin Sigrid Holtgrave gemeinsam mit ihrem Kollegen Torsten Böhm gestaltete und mit einem vollmundigen „Habemus cantorem“ („Wir haben einen Kantor“) beendete, gab einen Einblick in die verschiedenen Facetten der Lengericher Kirchenmusik und damit seines Aufgabenbereiches.

Die Kantorei und der Posaunenchor begleiteten den Gottesdienst ebenso wie Johanning selber, dem der Spagat vom Orgelspiel auf der Empore über das Klavierspiel und das Dirigat der Sängerinnen und Sänger sowie der Bläser im Chorraum bis zur Anleitung des mehrstimmigen Gemeindesingens scheinbar mühelos gelang.

Passend zur Einführung des Musikers war der Predigttext aus Psalm 85, einem Lied der Korachiter. Diese seien in Jerusalem die Diener gewesen, die dafür gesorgt hätten, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig im Tempel waren, und die draußen Wartenden mit ihrem Gesang auf den Besuch des Gotteshauses eingestimmt hätten, erläuterte Pastorin Holtgrave. Ausgehend vom Klagegesang im Psalm machte sie deutlich, dass auch in den heutigen unsicheren Zeiten vieles nicht in Ordnung sei und es Gründe gebe, zu klagen. Wer klagt, klagt Gottes Güte ein“, stellte Holtgrave fest. „Wir wissen, dass wir etwas tun müssen“, sagte sie mit Blick auf den Klimawandel und das Artensterben und mahnte, Schluss zu machen mit Habgier, Egoismus und grenzenlosem Wachstum.

„Gott zuzuhören, immer wieder, das ist unsere Aufgabe“, schlug sie den Bogen zu Marco Johanning, der diese Aufgabe in der Kirchenmusik, in der Leitung der Chöre und Ensembles ebenfalls wahrnehme.

Johanning selbst dankte nicht nur seiner Ehefrau Julia, die ihre Heimat in Leipzig verlassen habe, um mit ihm in Westfalen zu leben, sondern auch seinen Eltern, die sein zweites Studium der Kirchenmusik unterstützt hätten. Ein großes Dankeschön ging auch an das Presbyterium sowie die Sänger und Bläser, mit denen er trotz Corona schon sehr gut zusammengearbeitet habe.

In Vertretung von Superintendent André Ost übernahm Kreiskantor Christian Schauerte gemeinsam mit Sigrid Holtgrave und Torsten Böhm Johannings Einführung. Schauerte war es auch, der gemeinsam mit Kantorin Lena Puschmann aus Rheine mit dem musikalischen Grußwort „Hallo, lieber Kantor“ zur Melodie des Queen-Songs „We will rock you“ anklingen ließ, dass in der evangelischen Kirchengemeinde nun ein neuer Wind wehen könnte.

Marco Johanning setzte am Ende des Gottesdienstes zwei sehr persönliche Schlusspunkte. Für Ehefrau Julia spielte er „Von Gott will ich nicht lassen“ aus den Leipziger Chorälen von Johann Sebastian Bach. Einen musikalischen Rückblick in sein erstes Dreivierteljahr in Lengerich mit Aufregung zum Start, Ruhe während des Shutdowns und dem prallen Leben, als plötzlich alles wieder ging, gab es mit dem Präludium in e-Moll von Nicolaus Bruhns.

Text: Dietlind Ellerich

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