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Konfirmandenarbeit und Religionsunterricht – Teamplayer oder Gegenspieler? Tecklenburger Lehrerinnen- und Lehrertag

„Welcome to the world of Lehrkraft“ eröffnete Schulreferent Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi den Tecklenburger Lehrerinnen- und Lehrertag, der am 16. November in der Ev. Jugendbildungsstätte Tecklenburg stattfand. Der Pädagogische Ausschuss des Kirchenkreises, unter Vorsitz von Ute Dölemeyer, hatte diesen Tag intensiv vorbereitet.

„Das Zusammenspiel von Religionsunterricht und Konfirmandenarbeit liegt uns am Herzen. Oft nutzen wir die Synergieeffekte nicht“, so Ute Dölemeyer zu Beginn der Veranstaltung. Es ginge darum, dass junge Menschen für die Sache Gottes gewonnen würden. Erstmals war vormittags nicht nur die Pfarrkonferenz des Kirchenkreises beim Tecklenburger Lehrerinnen- und Lehrertag zu Gast, auch Jugend-referent*innen und Gemeindepädagog*innen nahmen daran teil. Im gemeinsamen Diskurs der 60 Teilnehmenden war so Gelegenheit zu einem fachübergreifenden Austausch gegeben.

„Der Religionsunterricht und die Konfirmandenarbeit müssen sich in Zeiten schwindender Kirchlichkeit die Relevanzfrage stellen lassen“, sagte Superintendent André Ost in seiner Andacht. Die Zeit sei geprägt von einem Traditionsabbruch mit kaum noch wahrnehmbarem religiösem Leben in den Familien, von Säkularisierung und einem Grundverständnis, das zunehmend alles Religiöse in den reinen Privatbereich verlege.

„Religionsunterricht und Konfirmandenarbeit stehen heute vor besonderen Herausforderungen“, machte auch Ralf Fischer in seinem Impulsreferat deutlich. Er ist Dozent am Pädagogischen Institut der Ev. Kirche von Westfalen (EKvW) und Lehrkraft für Gemeindepädagogik an der Hochschule für Diakonie Bielefeld sowie Schulreferent des Kirchenkreises Münster. Zu beobachten seien die Infragestellung des Faches Religion wegen schulorganisatorischer Probleme sowie Probleme bei der Bildung von Lerngruppen wegen eines zu geringen Anteils an evangelischen Schüler*innen. Darüber hinaus, so der Referent, gebe es Tendenzen zur Auflösung des bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts in eine religionskundliche Informationsveranstaltung. „Die zunehmende Verplanung der Jugendlichen durch die Ganztagsschule, das Vereinswesen, die Nachhilfe und persönliche Termine lässt nur wenig Lücken für die Konfirmandenarbeit“, berichtete der Referent. Die große Heterogenität innerhalb der Konfigruppen erfordere differenzierende Angebote, sollte aber die Gemeinschaft nicht in den Hintergrund treten lassen.

„Religionsunterricht und Konfirmandenarbeit haben gemeinsame Inhalte, jedoch mit unterschiedlichen Akzenten“ betonte er. Beim Religionsunterricht gehe es um die religiöse Bildung. Er sei als ordentliches Unterrichtsfach mit Leistungsbewertung in kompetenzorientierte Kernlehrpläne eingebunden. Anders verhalte es sich mit der Konfirmandenarbeit: Konfirmand*innen hätten die Möglichkeit, am Gemeindeleben teilzunehmen und es mitzugestalten.

Pfarrerin Verena Westermann (Kattenvenne) und Udo Schmidt-Albrecht (Jugendreferent in der Region Mitte) stellten Best Practice - Modelle der Konfirmandenarbeit vor. In der Kirchengemeinde Kattenvenne wird mit Jugendlichen aus den Klassen 7 und 8 (13-14 Jahre) gearbeitet. Die Eltern unterstützen die Arbeit und motivieren die Kinder. „Das ist auch für die Eltern eine Bereicherung“, berichtete die Pfarrerin.

Beim KA 3-Modell stehen Kinder aus den 3. Klassen (9 Jahre) im Fokus. In der Kirchengemeinde Tecklenburg treffen sich insgesamt vier Gruppen in vier Ortsteilen im 14-täglichen Rhythmus. Pfarrer*innen und Jugendreferent*innen begleiten die Arbeit. „Man hat hier mehr Möglichkeiten als bei den pubertierenden Jugendlichen“, meint Udo Schmidt-Albrecht, der im Kirchenkreis Synodalbeauftragter für die Konfirmandenarbeit ist.

In Arbeitsgruppen zu den einzelnen Regionen im Kirchenkreis fand dann ein intensiver Austausch zu Fragen nach Kooperationsmöglichkeiten und deren Grenzen statt.

Im zweiten Teil des Tages führte die Religionslehrerin und Autorin Tanja Unewisse die Lehrer*innen in die Gedenkstättenpädagogik ein.  

Das Fazit von Schulreferent Dr. Thorsten Jacobi: “Religiöse Bildung an verschiedenen Lernorten zu vermitteln bedarf des Zusammenspiels vieler Akteure und des Austauschs darüber, was diese an spezifischen Kompetenzen einbringen können. Der diesjährige Tecklenburger Lehrerinnen- und Lehrertag konnte dafür ein gutes Forum bieten“.

Text: Christine Fernkorn

 

 

  

  

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