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Lob Gottes auf kräftige und belebende Weise in die Welt tragen - Festgottesdienst zum 85. Jubiläum des Ev. Posaunenchors Wersen

„Sie tragen das Lob Gottes auf eine einzigartig kräftige und belebende Weise in die Welt. Möge das noch lange so bleiben“, wünschte Superintendent André Ost den Bläserinnen und Bläsern im Rahmen des Festgottesdienstes zum 85. Jubiläum des Posaunenchors am 25. September in der Ev. Kirche in Wersen.

„Der Posaunenchor Wersen ist ein traditionsreicher, bis heute qualitativ, aber auch zahlenmäßig stark gebliebener Chor in unserem Kirchenkreis“. Im Namen des Kirchenkreises überbrachte André Ost Glück- und Segenswünsche. Gleichzeitig hatte er auch Segenswünsche von Kreiskantor Christian Schauerte sowie eine Jubiläums-Urkunde im Gepäck. Der Superintendent erinnerte an die Geschichte des 1937 von neun jungen Männern gegründeten Posaunenchores. Der Chor habe es geschafft, sich über die Jahrzehnte immer weiterzuentwickeln. „In der schweren Coronazeit haben wir alle gemerkt, was gefehlt hat“ so Ost weiter. Proben und Auftritte im Gemeindeleben seien ausgefallen. Aber eine starke Chorgemeinschaft halte zusammen.

Die Freude über das gemeinsame Musizieren war nicht nur dem Posaunenchor unter Leitung von Silke Nagel und dem Gemeindegesang, sondern auch der Kantorei und dem Orgelspiel der Organistin Ute Dölemeyer abzuspüren. Im Choral „Du meine Seele singe“ und dem Lied „Danke für diesen guten Morgen“ kam die Ausdrucks-stärke des Posaunenchors besonders gut zum Tragen. Die Mitglieder des Posaunen-chors hatten sich die Lieder für den Gottesdienst selbst ausgesucht.

Neben Superintendent André Ost nahm auch Bürgermeister Rainer Lammers an dem Gottesdienst teil. Pfarrerin Jutta Kiquio stellte das Jubiläum in ihrer Predigt in Zusammenhang mit Psalm 150. Dort heißt es: “Lobet Gott in seinem Heiligtum! Lobet ihn mit Posaunen!“ Im Urtext sei hier von dem Schofarhorn die Rede, ein Naturhorn vom Widder. Es erklinge jeweils zum Neujahrsfest, zu Rosch ha-Schana.

In den letzten Jahrhunderten hätten Stadtpfeifer beispielsweise für das Anblasen der Stunden, die Wache auf den Stadttürmen, den musikalischen Gruß für hochgestellte Persönlichkeiten gesorgt. Erste historische Funde, die vermeintlich auf evangelische Traditionen hinweisen, wurden in Sachsen gefunden. „In einem Ritual-Buch aus dem Jahr 1764 taucht erstmal in Herrnhut bei Leipzig die Bezeichnung „Posaunenchor“ auf. „Ab 1812 gibt es bei den Herrnhutern in Königsfeld im Schwarzwald einen richtigen Bläserchor“, so die Pfarrerin. Doch die Hauptwurzel der evangelischen Bläserarbeit sei von den Pfarrern Eduard Kuhlo und dessen Sohn, Johannes Kuhlo, ausgegangen. „Die heute etwa 120.000 Bläserinnen und Bläser in ca. 7000 Posaunenchören wären ohne diese beiden nie entstanden“, ist sie sich sicher.

Die Erweckungsbewegung im Minden-Ravensberger Land habe das gesamte kirchliche Leben umgekrempelt. Größere Versammlungsräume waren erforderlich. So trafen sich die Christen zu Gottesdiensten im Freien. Es entstand die Idee, eine „transportable Orgel“ als Begleitinstrument für den Gemeindegesang zu erfinden. Der Posaunenchor war geboren. „Pastor Eduard Kuhlo“, so Pfarrerin Kiquio, „betrieb diese Entwicklung mit großem Eifer, mit pädagogischem Geschick und musikalischem Sachverstand“. Sein Sohn Johannes war an mehreren Orten in der Region Bielefeld tätig, vor allem auch in Bethel. Er entwickelte die Bläserarbeit intensiv weiter und wurde mit 25 Jahren zum „Posaunengeneral“ ernannt. Schrieb er einen Rundbrief an die Bläser, nutzte Kuhlo gern die Anrede: “An die Mitarbeiter an Psalm 150“, berichtete sie. Musik, die von Herzen komme, erreiche die Herzen der Menschen.

Schon am Vortag hatte der Posaunenchor Wersen gemeinsam mit dem Posaunenchor Lotte in der Ev. Kirche in Wersen ein Jubiläumskonzert gegeben, in dessen Rahmen der Chorverband viele Mitglieder für ihre langjährige Mitgliedschaft ehrte: Günter Tüpker und Walter Grothaus sind beide seit 70 Jahre dabei, Wilhelm Greiwe seit 65 Jahren. Darüber hinaus wurden weitere Ehrungen für langjährige Mitgliedschaften ausgesprochen.       

Text: Christine Fernkorn

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