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Rohlfing-Orgel in Kattenvenne ist ein „verkanntes Juwel“ - Stiftungsabend in Kattenvenne

„Diese Orgel ist ein Schatz und einzigartiges Instrument“, unterstrich der Orgelwissenschaftler Herbert Brügge beim Stiftungsabend am 30. September in der Ev. Kirche in Kattenvenne. „Hüten und pflegen Sie es wie einen Augapfel!“ appellierte er an den Kirchenkreis Tecklenburg und die Kirchengemeinde. Jedes Jahr lädt das Kuratorium der Stiftung für denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg in eine der 21 historischen Kirchen ein.

Interessierte Gäste erfahren so Wissenswertes rund um diese geschichtsträchtigen Kirchbauten. Auf plattdeutsch und in historischer Kleidung informierten Pfarrerin Verena Westermann und Kirchenführerin Christel Rotsch kurzweilig über die Geschichte der Gemeinde. Klar wurde, die Menschen in Kattenvenne mussten vor dem Bau der Kirche Sonntagmorgens den weiten Weg zur Lienener Kirche nehmen. Sie wünschten sich eine eigene Kirche im Dorf Kattenvenne. Hochzeiten, Beerdigungen, alles fand in Lienen statt, bis 1887/88 endlich die neue Kirche in Kattenvenne gebaut war. Mit viel Eigenleistung und Geschick haben die Kattenvenner Gemeindeglieder Grundsteine gelegt, auch an Vorschriften des Konsistoriums in Bielefeld vorbei. „Seit 2012 hat die katholische Nachbargemeinde Einzug in die Kirche gehalten“, berichtete Verena Westermann. „Wir nutzen sie Samstagsabends immer mit der katholischen Gemeinde zusammen“, so die Pfarrerin weiter. Seitdem steht auch eine Franziskusfigur neben dem Altarraum.     

An diesem Abend stellten Kantor i. R. Christoph Henzelmann musikalisch und Orgelexperte Herbert Brügge im kurzweiligen Vortrag die Vielfalt der historischen Orgel vor. Super-intendent André Ost begrüßte die Gäste und führte durch den Abend.

„Mäuse knabberten an den Orgelbälgen“

Im Tecklenburger Land stehen gut 70 Orgeln, inclusive der Truhenorgeln. Das Besondere an der Orgel in Kattenvenne sei, dass sie zur originalen Ausstattung der Kirche gehöre, berichtete Herbert Brügge. Die 1892 von der Firma Rohlfing aus Osnabrück gebaute pneumatische Orgel ist bis heute in unverändertem Zustand. Sie sei eine der nur drei vollständig erhaltenen historischen Orgeln neben einer in Dreierwalde und einer in Ibbenbüren-Laggenbeck. Sie verfügt über neun Register im Manual und zwei im Pedal. Kleinere Reparaturen wurden immer mal wieder vorgenommen. 1916 haben die Mäuse der Orgel den Garaus gemacht: “Viele kleine Bälge usw. sind von Mäusen des Leders beraubt worden“, heißt es im Gemeindearchiv.1950 wurden eine elektrische Windmaschine und eine neue Balganlage eingebaut.  

„Gut, dass die Orgel in den Kriegswirren nicht gegen eine neue ausgetauscht wurde“

Wie schnell sich Meinungen zu Orgel und Orgelklang ändern, stellte Herbert Brügge anschaulich dar: 1931 bescheinigte Studienrat Karl Seubel, der Orgelsachverständige im Konsistorium in Münster, der Gemeinde, dass die Orgel in schlechtem Zustand sei. Eine neue Orgel war im Gespräch. „Gut, dass dies in den Kriegswirren nicht geklappt hat“, meinte der Referent. 1980 ist der Orgelsachverständige des Landesdenkmalamts plötzlich ganz anderer Meinung. Obwohl der Organist der Gemeinde einen Neubau empfahl, sagte der Orgelsachverständige, sie funktioniere erstaunlich gut. Weiter heißt es dort:“ Das Instrument ist wegen der Seltenheit des gut funktionierenden Ladensystems, des völlig erhaltenen ursprünglichen Zustands und der Kongruenz zur Ausstattung des Kirchraums denkmalwert“.  

Christoph Henzelmann stellte breite Klangmöglichkeiten der Orgel vor

Virtuos und einfühlsam präsentierte Kantor i.R. Christoph Henzelmann die vielfältigen Klangmöglichkeiten und Gestaltungsvarianten, die das Instrument bietet. Bei der Choralbearbeitung von „Schmücke dich, du liebe Seele“ von Johannes Brahms ermögliche die Orgel dem Organisten mit Hilfe der Pfeifen „Viola da Gamba“ und der Hohlflöte Stimmungen darzustellen. Die Zuhörer konnten im Spiel den etwas scharfen Ton der Gambe wahrnehmen. Ein Genuss für die Gäste waren auch das Präludium in H-Moll aus dem „Wohl-temperierten Klavier“ von J.S. Bach, die „Morgenstimmung“ aus Peer Gynt von Edvard Grieg sowie die 6. Sonate in D-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Eigenkompositionen des Kantors. Unterstützt wurde Christoph Henzelmann dabei von seiner Frau, Gabriele Henzelmann, die registrierte.

Stiftung hat eine neue Website

Informationen zur neuen Website der Stiftung für denkmalwerte Kirchen im Ev. Kirchenkreis Tecklenburg gab Jörg Birgoleit, Pressesprecher der Ledder Werkstätten. Er hat die Website mit interessanten Informationen und Fotos zur Arbeit der Stiftung neugestaltet. Hier finden sich unter anderem auch Zitate und Fotos von Menschen, die berichten, warum ihnen ihre Kirche vor Ort wichtig ist. Die aufgefrischte Internetauftritt ist seit Frühjahr 2021 unter 

https://denkmalwert.ekvw.de/

 online.

Marlies Beckemeyer, Vorstandsmitglied des Kuratoriums, informierte die Besucherinnen und Besucher über Einnahmen und Ausgaben der Stiftung und der elf Unterstiftungen: die Stiftung hat im Jahr 2020 Zustiftungen in Höhe von 3.921,17 € verzeichnen können. In diesem Zusammenhang dankte Marlies Beckemeyer allen Spendern und Zustiftern für ihre Unterstützung. Ins Stifterbuch trugen sich Marlies Fangmeier und Dr. Dr. Dietmar Balkau ein.

Der Kuratoriumsvorsitzende, Superintendent André Ost, wies darauf hin, dass die Stiftung im kommenden Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiern könne. Dies soll im September 2022 mit einem besonderen Festprogramm gefeiert werden.   

Bei einem kleinen Imbiss hatten die Gäste anschließend Gelegenheit, sich über das Gehörte auszutauschen.

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