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Skulpturen-Workshop für Schüler mit Künstler aus Simbabwe

IBBENBÜREN. „Der Hanbok, die traditionelle koreanische Tracht, hat sehr weite Ärmel, so dass die Frauen darin die Arme verschränken können“, erklärt Maya. Die Schülerin ist Fan von allem, was mit Korea zu tun hat. Das soll der Betrachter ihrem Kunstwerk aus Stein ansehen. Die Ausgestaltung der Arme der „Figur im Hanbok“, die die 19-Jährige aus dem großen Opal heraus gehämmert und geschmirgelt hat, steht deshalb im Fokus ihrer Arbeit.

Maya ist eine von 15 Jugendlichen der Q1 des Goethe-Gymnasiums, die in der letzten Woche vor den Sommerferien in einem Workshop Hand an afrikanische Opal-Steine legen dürfen. Gemeinsam mit Richard Mupumha, Bildhauer aus Simbabwe, sind sie auf dem Schulhof am Werk. Sie hämmern und schmirgeln, wachsen und brennen, freuen sich, wenn ihre Skulpturen so gelingen, wie sie es geplant haben, und ärgern sich respektive disponieren um, wenn das nicht der Fall ist.

Während ihre Lehrer Friederike Schneider und Michael Kosler das Geschehen im Hintergrund verfolgen, steht Kerstin Hemker den Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Die Schulreferentin der Kirchenkreise Tecklenburg und Steinfurt-Coesfeld-Borken hat den Kontakt zwischen dem Ibbenbürener Gymnasium und dem Bildhauer aus Simbabwe vermittelt. Zum einen weil die Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden sowie das Lernen in der globalen Welt ihr eine Herzensangelegenheit sind, zum anderen weil sie das Bild, das die Menschen in Deutschland oft von Afrika haben, von Klischees befreien möchte, und nicht zuletzt damit kreiskirchliche Partnerschaften gelebt werden.

Leben pur herrscht während des dreitägigen Workshops auf dem Schulhof. Das reicht von der Diskussion über Theorie und Praxis der Steinbearbeitung in englischer Sprache bis zur praktischen Arbeit. Dass das Projekt fächerübergreifend durchgeführt wird, freut die Lehrer besonders. Wann hat man schon die Möglichkeit, Politik, Geographie, Kunst und Kunstgeschichte miteinander in Einklang zu bringen, machen Schneider und Kosler die große Chance des Workshops deutlich.

Während Mayas „Figur im Hanbok“ mit Unterstützung des Bildhauers aus Simbabwe schon gewachst und gebrannt wird, damit sie ihre charakteristische Färbung erhält, sind die Mitschüler noch mit dem Abschmirgeln beschäftigt. „Das braucht einen langen Atem“, erklärt Kerstin Hemker. Das wissen inzwischen auch die Jugendlichen, die mit Schmirgelpapier und viel Wasser am Werk sind. Antonia arbeitet an einem Gesicht, Irem ebenfalls, Anna an einer Schildkröte, John-Patrick an einem Vogel. „Ich hab mir zu viel vorgenommen“, räumt Calvin selbstkritisch ein, dass das Werk, das da vor ihm liegt, so nicht geplant war. „Vielleicht mache ich in den Ferien einen zweiten Versuch“, überlegt er.

„Ich hätte nicht gedacht, dass das so aufwändig ist“, gibt eine Schülerin zu. Wie viel Einsatz in einer solchen Steinskulptur steckt, haben wohl alle unterschätzt, zumal das Wetter nicht so gut mitspielte und sie bei ihrem Openair-Workshop tüchtig gefroren haben.

Der Anblick des fertigen Kunstwerks lässt Schwielen und Frostbeulen dann doch vergessen. „Ich mag Kunst und neue Erfahrungen“, stellt Maya fest. Sie hat an ihrer Hanbok-Figur Kurven und Arme gestaltet und verschiedene Strukturen sowie den Faltenwurf herausgearbeitet. Zufrieden schaut sie zu, wie Richard Mupumha ihrem Werk mit Wachs und Gasbrenner den letzten Schliff gibt.

Text: Dietlind Ellerich

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