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„Süß statt bitter!“ geht weiter - Aktion gegen moderne Sklaverei

Mit einer Orangen-Aktion „Süß statt bitter“ macht die Evangelische Kirche von Westfalen gemeinsam mit anderen Organisationen auf unmenschliche Zustände und moderne Sklaverei bei der Obsternte in Süditalien aufmerksam. Die Orangenernte dort hat gerade in der Winterzeit Hochkonjunktur. Die Erntehelfer - rund 2.000 Wanderarbeiter und Geflüchtete - bekommen allerdings nur einen Hungerlohn: etwa 25 Euro für einen langen Tag knochenharter Arbeit.

Zudem müssen sie im nasskalten Winter unter erbärmlichsten Bedingungen in Zelten, Containern und Hütten hausen.

Die Aktion gegen moderne Sklaverei geht nun weiter: Anfang Februar werden wieder öko-faire Orangen der genossenschaftsähnlichen Initiative „SOS Rosarno“ aus Kalabrien in Ostwestfalen, im Münsterland sowie am Niederrhein verteilt und verkauft. Geliefert werden mehr als 16 Tonnen an Weltläden, Unverpackt- und Naturkostläden sowie an Kirchen- und Pfarrgemeinden. Bei der ersten Aktion im Advent waren 11.000 Euro zusätzlich an Spenden für Flüchtlingshilfen zusammengekommen. 

Die massenhafte Ausbeutung von Erntehelfern in Europa beklagt der für die Ökumene zuständige landeskirchliche Dezernent, Dr. Ulrich Möller (Bielefeld). „Es ist erschreckend, dass solche menschenunwürdigen Zustände wie in Süditalien überhaupt möglich sind.“ Ob Zitronen, Tomaten, Paprika, Oliven – all das Obst und Gemüse werde von „Sklaven“ geerntet. Es seien häufig Geflüchtete aus afrikanischen Ländern. Dass sich kaum jemand für ihr Schicksal interessiere, sei „eine Schande für Europa.“

Die westfälische Kirche unterstützt mit der Aktion den Verein „SOS Rosarno“ und die Föderation protestantischer Kirchen in Italien. Der Verein vertreibt Bio-Orangen aus Rosarno in Kalabrien. Die Bauern erhalten faire Preise und die Wanderarbeiter den Mindestlohn und eine Sozialversicherung.

Die Waldenserkirche in Italien, Partnerkirche der westfälischen Landeskirche, setzt sich für die Wanderarbeiter ein. "Kalabrien und das Gebiet von Rosarno sind eines der am stärksten benachteiligten Gebiete Europas. Das organisierte Verbrechen dort kontrolliert oft mit Gewalt wichtige Bereiche der Politik und Wirtschaft“, berichtet Paolo Naso, Koordinator von Mediterranean Hope, dem Migranten- und Flüchtlingsprogramm der Föderation protestantischer Kirchen in Italien. „Wir verhelfen denjenigen, die ausgegrenzt sind, zu ihren Menschenrechten. Wir wollen zeigen, dass ein anderes Kalabrien existiert, dass die Mafia sowie auch Ausbeutung überwunden werden kann."

Ein Teil des Erlöses aus der Orangen-Aktion kommt der Arbeit von Mediterranean Hope zugute. „Dank der Spende aus der westfälischen Orangen-Aktion im Dezember konnten wir die Fahrräder vieler Wanderarbeiter mit Lampen ausstatten“, berichtet Claudia Vitali. „Das rettet Leben.“ Die Arbeiter würden mit dem Rad auf unbeleuchteten Straßen zu den Plantagen fahren und dann bei Verkehrsunfällen häufig lebensgefährlich verletzt oder sogar getötet. Zudem konnten Schlafsäcke und warme Sachen für die Menschen gekauft werden. „Gerade die Nächte in den Zelten sind bitterkalt.“

Die Aktion hat Katja Breyer vom landeskirchlichen Amt für Mission, Ökumene und Weltverantwortung/ MÖWe initiiert. Es sei beeindruckend, wie viele Menschen das Anliegen unterstützen. „Hierbei wird Mitmenschlichkeit und Solidarität erlebbar. Wir werden die Aktion fortsetzen.“

Internet: www.sosrosarno.org; www.mediterraneanhope.com; www.moewe-westfalen.de

 

Spendenkonto der EKvW:IBAN: DE05 3506 0190 2000 0430 12, BIC: GENODED1DKD (KD-Bank)

Stichwort: Mediterranean Hope Rosarno

Text: Dirk Johnen, Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit, Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) dirk.johnen@moewe-westfalen.de

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Erstellungsdatum: 08.02.2021