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Über Perlen eine Verbindung zwischen Kirchen schaffen

Lengerich . Der Pfingstmontag begann in der Evangelischen Stadtkirche Lengerich mit einem Gottesdienst. Pfarrerin Sibylle Liening freute sich besonders über die Taufe von Charlotte und Bram, die im Beisein ihrer Eltern und Paten in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen wurden. „Der Mensch braucht von Anfang an Orientierung, um gütig, gerecht und wahrhaftig zu werden“, gab Sibylle Liening den Familien mit auf den Weg. Nach der Lesung aus dem Markusevangelium über die Segnung der Kinder sprachen die etwa 70 Kirchenbesucher das Glaubensbekenntnis, um die Täuflinge in die Mitte des christlichen Glaubens mitzunehmen. Im Choral „Kind du bist uns anvertraut“ wurde dies deutlich: „Freunde wollen wir dir sein, sollst des Friedens Brücken bauen. Denke nicht, du stehst allein; kannst der Macht der Liebe trauen“, heißt es darin.

In ihrer Predigt verwies die Pfarrerin auf das Wirken des Heiligen Geistes in der Welt, dessen positive Wirkung jeder spüren kann. Er lasse Menschen unruhig werden und nach Veränderung streben, verleihe neue Kraft und Energie. Der Heilige Geist sei überall, wo Gottes Geschöpfe Frieden stiften, Freiheit über dem Gesetz steht, Liebe den Hass verdrängt, Konfessionen Grenzen überwinden und Gottes Liebe sichtbare Spuren hinterlässt.

Im Anschluss an den Gottesdienst begrüßte Sibylle Liening die Gäste zur Eröffnung der Ausstellung „perle!“ Besonders freute sie sich darüber, dass die Vorbereitung in ökumenischer Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen verwirklicht wurde. Die Osnabrücker Künstlerin Sigrun Menzel stellt zeitgleich in der evangelischen Stadtkirche und in der katholischen Kirche St. Margareta Fotografien und Installationen aus, die Perlen zum Thema haben. Ihr Anliegen, Kunst im offenen Raum zu präsentieren, wird hierbei in besonderer Weise verdeutlicht. Sie erklärte, warum die Ausstellung „perle!“ heißt: durch ihr Kunstwerk „kullern“ Perlen von einer Kirche zur anderen. Sie bewegen sich, bewirken etwas. Perlen entstehen ursprünglich durch eine Verletzung, das Sandkorn in einer Muschel. Auch hier gibt eine Verbindung zu Margareta. Um den Altar hat Sigrun Menzel deshalb den Satz geschrieben: „Alles Schreckliche ist der Anfang des Schönen.“ Für ihre „Such- und Findebilder“ arrangiert sie Perlen an ungewöhnlichen Stellen, im Schnee, in einem Farnblatt oder der Blüte einer Dahlie. Sie verwendet dafür Liebesperlen, erfunden vor über 120 Jahren von Rudolf Hoinkis, dem Besitzer einer Süßwarenfabrik in Görlitz. Eine Handvoll davon warf sie den Besuchern der Ausstellung zu. Ein roter Faden schafft eine imaginäre Verbindung von den Bildern zur Margarete.

Welche Beziehung Perlen zu Lengerich haben, stellte der Vorsitzende des Heimatvereins, Dr. Alois Thomes in seinem Einführungsvortrag dar. Sie ist eng mit Margareta von Antiochien, einer Märtyrerin aus der Zeit der Christenverfolgung im 3. Jahrhundert, verbunden. In der heutigen Stadtkirche gab es früher eine Statue der Heiligen, die der Überlieferung nach im Zuge der Reformation in Berlemanns Teich versenkt wurde. Erst 1893 tauchte der Name Margareta in Lengerich wieder auf, als die neue katholische Kirche unter ihren Schutz gestellt wurde. Professor Dr. Norbert Ammermann, Kulturbeauftragter im Kirchenkreis Tecklenburg, moderierte die Vernissage, die von Christoph Henzelmann und einem Bläserquartett musikalisch begleitet wurde. Der katholische Pfarrer Peter Kossen erklärte die Bedeutung des ökumenischen Projektes. „Es gibt Dinge, für die es lohnt, sich gemeinsam auf den Weg zu machen“, stellte er fest. Zu der Ausstellung wird ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten.

Text: Brigitte Striehn

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