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Vertrauen und Transparenz - Rege Diskussion bei Vortrag über die Zukunft der Organtransplantation

Das Thema Organtransplantation wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Auch in der Politik bestehe keine einheitliche Meinung über den besten Weg zur Verbesserung der Lage bei Organspenden, erfuhren etwa zwanzig Zuhörer am 20. August 2021 bei einem hochinteressanten Vortrag des Bundestagsabgeordneten René Röspel aus Hagen.

Eingeladen hatte ihn das Team der Evangelischen Erwachsenenbildung Tecklenburg. „Wir kommen damit dem Informationsbedarf nach und laden zum Nachdenken über die Thematik unter verschiedenen Aspekten ein“, erklärte Pfarrer Björn Thiel, der die Veranstaltung moderierte.

René Röspel hat an der Ruhr-Universität Bochum Biologie studiert und war von 1994 bis 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Tumorforschung am Uniklinikum Essen. Seit 1998 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Er war Vorsitzender der Enquete-Kommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“ und Vorsitzender des Ethik-Beirats. In seinem Vortrag „Zukunft der Organtransplantation – bioethische Möglichkeiten und Grenzen“ ging er der Frage nach, warum Gesellschaft und Politik seit Jahren über eine mögliche Reform des Transplantationsgesetzes diskutieren. Zum Verständnis der Problematik stellte er Zahlen von Patienten auf der Warteliste, Spendern und geleisteten Organentnahmen gegenüber.

Der Referent erläuterte ausführlich die Unterschiede zwischen Lebendspende und postmortaler Spende sowie die geltenden Regelungen bezüglich der Zustimmung oder Ablehnung einer Organspende. Seiner Meinung nach lägen die Probleme nicht in der Entscheidung zwischen Widerspruchs- und Zustimmungslösung. Diskussionspunkte seien beispielsweise der zunehmende Organhandel oder eine offene Debatte über das Hirntod-Konzept. Nicht zuletzt müsse geklärt werden, wieviel Geld zur Verfügung gestellt wird, um mehr Menschen zu Organspenden zu bewegen. Das Transplantationsgesetz von 1997 wurde mehrfach ergänzt, informierte René Röspel. Er selbst hatte sich im Bundestag für die Stärkung der Entscheidungsbereitschaft, umfassende Information der Bevölkerung und bessere Bedingungen in den Krankenhäusern eingesetzt.

Im Mittelpunkt stehe das Vertrauen. Dies müsse gefestigt werden, damit mehr Personen bereit sind, ihre Organe zu spenden. In der Diskussion wies eine Teilnehmerin darauf hin, dass damit einem Menschen das Weiterleben ermöglicht wird, ein wichtiger Punkt. Debattiert wurde zudem über ethische Fragen der Stammzellenforschung, die Herstellung künstlicher Organe in 3D-Druckern, die Versorgung mit spezialisierten Kliniken, die „Durchökonomisierung“ des Gesundheitswesens und die damit einhergehende empathielose Versorgung, Verteilungskonflikte, Organhandel oder frühe Aufklärung bereits in den Schulen. „Es muss unser Ziel sein, die Zahl der verfügbaren Organe zu erhöhen“, betonte André Ost, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg. Dafür seien in der Gesellschaft die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod sowie ein insgesamt vertrauenswürdiges System erforderlich.

„Es ist ein besonderer Wert, im Sinne christlicher Solidarität auch mit freiwilligen Organspenden Leben zu retten, stellte Björn Thiel fest. Dafür gebe es gute theologische Argumente, so der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Tecklenburg. Der medizinische Fortschritt ermögliche es, mehr Transplantationen durchzuführen, aber der Bedarf steige ebenfalls, machte Röspel deutlich. Es sei erforderlich, mehr Geld für Vorbeugung und Gesunderhaltung zur Verfügung zu stellen. Damit könnten die Lebenschancen vieler Menschen verbessert werden. Eine vollständige Versorgung mit Spenderorganen werde es jedoch wohl auch in Zukunft nicht geben.

Die Veranstaltungsreihe wird am Freitag, den 24. September 2021 mit dem Vortrag „Organtransplantation – medizinische Aspekte“ fortgesetzt. Beginn ist um 18 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Walter-Borgstette-Str. 5 in 49545 Tecklenburg. Referent ist Prof. Dr. med. Jan Gummert, Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabetes-Zentrums NRW.

Text: Brigitte Striehn

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