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Wo ist das Ende des Schubladendenkens erreicht?

Eingeladen waren Frauen aus den umliegenden (nicht nur) christlichen Gemeinden im Raum des Kirchenkreises Tecklenburg. Wem sich die etwa 40 Frauen, die sich in der Ev. Johannesgemeinde in Rheine eingefunden hatten, zugehörig fühlen, war anhand von Äußerlichkeiten nicht konkret festzustellen. Das ließ sich jedenfalls aus einer Übung im weiteren Verlauf des Vormittags schließen.

Nach der anfänglichen Stärkung mit einem gemeinsamen Frühstück aus regionalem Catering zeigten die Referentinnen Renate Janßen (LAG autonome Mädchenhäuser/feministische Mädchenarbeit NRW e.V., Fachstelle Interkulturelle Mädchenarbeit, NRW) und Marissa Turac (Ev. Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe, Studienleiterin für Migration und Erwachsenenbildung) auf, woher Vorurteile rühren, und welche Folgen sie haben können.

Zum Einstieg ins Thema wählten sie beispielhaft Ruth (AT) und Maria-Magdalena (NT) als biblische Frauengestalten, wobei die immer gleichen Mechanismen der Vorurteilsbildung deutlich wurden.

Wo das Ende des Schubladendenkens erreicht ist, ließ sich am Beispiel Ruanda nachvollziehen. Nach dem blutigen Bürgerkrieg der 1990-er Jahre konnten Frauen ihren Anteil auf 30 % im Parlament und auf 50 % in den Geschäftsleitungen erfolgreicher Unternehmen steigern.

In der anschließenden kommunikativen (im Sinne von unterhaltsamen) Gruppenphase wurden sieben Portrait-Aufnahmen von Frauen vorgestellt, die die Teilnehmerinnen der jeweiligen kulturellen Herkunft und gesellschaftlichen Stellung zuordnen sollten. Dabei kam es nach Aufdeckung der Identitäten seitens der Referentinnen zu der Erkenntnis, dass nur anhand von Phänotyp, Accessoires und Ambiente die Zuordnung selten korrekt gelingen kann.

Dies war Anlass für eine lebhafte Diskussion über die Funktion von Vorurteilen. Als Quintessenz blieb festzuhalten, dass Vorurteile der Vereinfachung dienen und insofern hilfreich sein können, die Grenze zur Stigmatisierung jedoch stets aufmerksam im Blick behalten werden muss.

Der Dank des kreiskirchlichen Ausschusses für Frauenfragen und -antworten gilt den Referentinnen, die mit ihrer Methode den richtigen Ton getroffen haben.

Text: Sonja Kaiser

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