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Offener Brief des Theologischen Ausschusses zum Antisemitismus

Wir, die Mitglieder des Ausschusses für Theologie und Gemeinde des Evangeli-schen Kirchenkreises Tecklenburg, sind bestürzt über die neuerlichen Übergriffe auf Menschen, die sich als jüdisch zu erkennen geben. Wir sind bestürzt über antisemitische Hetze und Vorurteile, über die Ausweitung von Kritik an Entscheidungen der israelischen Regierung in Fragen des Nahostkonfliktes auf eine pauschale Verurteilung aller Jüdinnen und Juden. Wir sind bestürzt über geschichtsvergessene Rapper und den Missbrauch des jüdischen Namens als Schimpfwort. Wir wissen heute, dass Judenfeindschaft und Antisemitismus Unglaube sind.

Christentum und Antisemitismus schließen einander aus, und zwar aus der Mitte des christlichen Glaubens heraus: Wer jüdische Menschen in Gedanken und Worten diffamiert oder gar tätlich angreift, greift Christus mit an und alle, die an ihn glauben. Denn der, den Christen und Christinnen als Gotteskind verehren, ist Jude. Zudem widerspricht die Menschenfeindlichkeit des Antisemitismus der Menschenfreundlichkeit Gottes und den Anforderungen eines respektvollen Miteinanders.

Seit den Anfängen der christlichen Überlieferung haben Christinnen und Christen ihren Glauben beschrieben, indem sie das Judentum, jüdischen Glauben und jüdische Menschen verzerrt dargestellt und abgewertet haben. Nach der Shoah (dem „Holocaust“) begannen Kirchen und Theologie, ihre (Mit-)Verantwortung für Antijudaismus und Antisemitismus zu erkennen und aufzuarbeiten. Noch immer gibt es Antisemitismus in der Gesellschaft und auch in unseren Kirchen und Gemeinden, nicht nur an den extremistischen Rändern. Lange Jahre tabuisiert, tritt er wieder öffentlicher und frecher zu Tage und bedroht jüdisches Leben, das ohnehin stets unter besonderem Polizeischutz stattfindet.

Als Christinnen und Christen können und wollen wir uns an die Seite der jüdischen Gemeinden stellen. Wir appellieren an alle Menschen guten Willens, dem Antisemitismus und denen, die ihn vertreten, entschlossen entgegenzuwirken. Die Mitglieder unserer Kirche bitten wir: Widersprechen Sie antijüdischen „Witzen“, Bemerkungen, Vorurteilen! Lassen Sie antisemitische Aussagen nicht unkommentiert! Unterstützen Sie auch Ihre Kinder und Enkelkinder dabei, ihren Glauben ohne antijüdische Vorurteile auszudrücken und Menschenverachtung entgegenzutreten!

Pfarrer Dr. Norbert Ammermann

für den Ausschuss für Theologie und Gemeinde des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg.

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Datum: 16.05.2018