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Mit Argumenten gegen rechte Parolen

Am 9. Oktober trafen sich im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Tecklenburg-Brochterbeck etwa 20 Zuhörer zu einem Workshop „Argumentationshilfen gegen ausgrenzende und rassistische Parolen im Alltag“. An der Organisation waren Adelheid Zühlsdorf-Maeder von der Evangelischen Erwachsenenbildung, Rita Brinkmann, Integrationshelferin der Stadt Tecklenburg, und Elisabeth Engbert vom Arbeitskreis Flüchtlinge Brochterbeck beteiligt.

Anna-Lena Herkenhoff und Christina Möllers gehören zum Team der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Münster - mobim“. Seit 2008 nehmen sie die Aufgabe wahr, Menschen bei Unsicherheiten im Umgang mit rassistischen, antisemitischen oder anderen diskriminierenden Handlungen individuell zu beraten und zu unterstützen. Damit wollen sie, nach eigener Aussage, Grundlagen und Voraussetzungen für ein vielfältiges, gleichberechtigtes und demokratisches Zusammenleben schaffen.

Die Referentinnen erörterten, wie sich Rechtsextremismus in den Einstellungen der Menschen widerspiegelt. Als Beispiele nannten sie Rassismus, Antisemitismus, Herabsetzung von Minderheiten oder Verherrlichung des Nationalsozialismus. Daraus resultierende Verhaltensweisen seien Äußerungen von Parolen, Witzen und Sprüchen, Szenezugehörigkeit oder politische Aktivitäten bis hin zu Gewalt. Diesen Herausforderungen gelte es, im Alltag zu begegnen. Wie das gelingen kann, wurde gemeinsam erarbeitet.

In ihrem Eingangsvortrag stellten Herkenhoff und Möllers nützliche Informationen zum Thema vor. Zu drei Statements konnten sich die Teilnehmenden anschließend mit ihren Erlebnissen positionieren. Die Frage des Überzeugens tauchte dabei immer wieder auf. Dass dies nicht immer gelingen könne, war ebenfalls eine Erkenntnis. Rechtsextremismus sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen, machte Christina Möllers anhand von Medienberichten in „Spiegel“ oder „Stern“ klar. Diese erzeugten Angstbilder, denen die Rechten mit einfachen Vorschlägen begegneten. Dass etablierte demokratische Parteien die Positionen der rechten Populisten übernähmen, sei gefährlich, betonte Anna-Lena Herkenhoff.

Es zeige sich, dass die Haltung der Politiker die Menschen alleine lässt, stellte Rita Brinkmann fest. Der gegenwärtige Rechtsruck in der Gesellschaft sei nicht zu leugnen, darüber müsse gesprochen werden, hob Anna-Lena Herkenhoff hervor. Die damit einhergehende erhöhte Gewaltbereitschaft werde zu einer dauerhaften Herausforderung.

Spannend wurde es, als „Frau Schmidt“ (Christina Möllers) sich in die Runde mischte. Sie feuerte ohne Punkt und Komma die volle Breitseite rechtsextremer und rassistischer Parolen ab. Einige der Mitwirkenden versuchten dagegenzuhalten, mit sachlichen Argumenten und verdeutlichten damit ihre eigene Haltung. Das war nicht leicht, denn „Frau Schmidt“ ließ ihre Widersacher kaum zu Wort kommen. Nach dem Rollenspiel analysierten die Referentinnen das Geschehen und hefteten Strategien und Lösungsvorschläge aus der Diskussion an die Tafel: Hinterfragen, Widerlegen, Konkretisierung einfordern, Perspektivwechsel suchen oder eigene Erfahrungen dagegensetzen. Dabei dennoch Wertschätzung zu zeigen und gegebenenfalls Unterstützung anzubieten, sei mitunter schwierig, gaben alle in der Gruppe zu. Nicht immer sei es möglich, mit Argumenten zu überzeugen, manchmal müsse man ein Gespräch auch abbrechen, sagte Herkenhoff in der Zusammenfassung der Ergebnisse des Workshops. Bei kleinen Snacks und Getränken war in der Pause Gelegenheit, eigene Erfahrungen auszutauschen.

Text: Brigitte Striehn

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