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Sendestart mit einer Reihe von Hindernissen - WDR-Rundfunk-Gottesdienst wurde aus Lengerich übertragen

Lengerich.„Wenn das Rotlicht leuchtet, sind wir auf Sendung“, informierte Dr. Titus Reinmuth, der stellvertretender WDR-Rundfunkbeauftragte, die Besucher des Rundfunkgottesdienstes aus der Ev. Stadtkirche Lengerich. „Zeigen Sie Präsenz und singen Sie kräftig mit“, motivierte er die Gottesdienstbesucher. Die Spannung war mit Händen zu greifen, als es dann um 10.05 Uhr nach einer Menge technischer Probleme, endlich klappte.

Schon am Vortag, an dem auch die sogenannte „Durchlaufprobe“ stattfand, war der Übertragungswagen des WDR vor Ort. Doch die Techniker klagten über eine Überspannung des Stromnetzes. Auch die schnell angeforderte Elektrofirma konnte nicht helfen. So wurde ein weiterer Ü-Wagen aus Köln geordert. Als der am Sonntag dann ans Netz gehen sollte, traten die gleichen Probleme auf. Bis kurz vor Beginn des Gottesdienstes wusste keiner der Akteure, ob die Übertragung funktionieren würde.  So wirkte es wie ein Befreiungsschlag als der Rundfunkbeauftragte vermeldete:  „Wir sind auf Sendung“. Erleichterung stand dem Vorbereitungsteam in die Gesichter geschrieben.  

„Vieles beginnt mit einem Blick“, so Titus Reinmuth in seiner Eröffnung. „Manche, die unten sind, sind da schon lange. Sie brauchen ein Wunder, um wieder angesehen zu werden.“ Pfarrerin Sibylle Liening, die den Gottesdienst als Liturgin gestaltete, machte deutlich, dass sich aus einem einzigen Blick ein Wunder der Begegnung entwickeln kann. „Was machen wir, wenn wir sehen, dass ein Bettler an der Straße sitzt?“, fragte Superintendent André Ost in seiner Predigt über die Geschichte von der Heilung des Gelähmten (Apostelgeschichte 3). „Viele laufen achtlos vorbei, wenden den Blick ab und gehen ihrer Wege“ so Ost weiter.  Petrus und Paulus sehen einen lahmen Mann vor dem Tempel sitzen und sehen ihn an. Damit, so Ost, hätten sie die Teilnahmslosigkeit und Sprachlosigkeit durchbrochen. „Mit einem Hinsehen und Ansehen werden Wunder möglich. Dies geschehe dann, wenn Menschen beginnen, sich selbst zu unterbrechen und einander wahrzunehmen. Sie zeigen ehrliches Interesse.

„Es hat den Anschein, als entwickle sich in dieser Hinsicht vieles zurück“ meinte Ost. Das reiche Europa schotte sich gegen den Rest der Welt ab. Es wolle sich mit dem Elend draußen vor seinen Grenzen nicht mehr konfrontieren lassen. „Gold und Silber stünden genug zur Verfügung, um wirksam Hilfe zu leisten für Menschen, die in die Flucht getrieben sind durch Verfolgung, Krieg und Armut. Doch die europäische Staatengemeinschaft macht sich unempfindlich für die Not der Geflüchteten an ihren Grenzen“, kritisierte er.  Das Auge der Öffentlichkeit interessiere sich kaum noch für die Umstände, die Ursachen ihrer Flucht und für die Strapazen des langen Weges. Diese Gleichgültigkeit sei nicht hinnehmbar. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass der aktuelle Sonntag (19. August) der Welttag der humanitären Hilfe der UNO sei. „Wo Grenzen überschritten werden und wo Menschen es wagen, sich aufeinander einzulassen, da geschieht Begegnung“, betonte André Ost. Sie erfahren Zuwendung und Hilfe und es wächst eine heilende Kraft. Am Beispiel der Ledder Werkstätten zeigte er auf, wie wichtig es ist, dass Menschen je nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten Unterstützung erhalten. Inklusion beziehe sich dabei nicht nur auf Menschen mit Behinderungen. Sie gelte für alle Lebensbereiche. „Mit dem Vertrauen auf Jesus Christus können Wunder geschehen: wir können einander ansehen, die Hand reichen, vielleicht jemanden auf die Füße stellen. In der Nachfolge Christi gebe es kein Leben ohne die anderen.  

Einen herausragenden musikalischen Rahmen setzten Kantor Christoph Henzelmann (Leitung Motettenchor und Orgel) und Ursula-Maria Busch (Leitung Kreisbläserensemble des Ev. Kirchenkreises Tecklenburg). Sie hatten wochenlang im Vorfeld geprobt. Die Chorbegleitung lag in den Händen von Winfried Puschmann, die Lesung übernahm Gertrud Boymann. Der Gottesdienst wurde auf den Kanälen WDR 5, NDR und dem RBB übertragen.

„Es war aufregend, die Aufzeichnung hat geklappt! Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Unterstützung“, meinte Dr. Titus Reinmut an die Akteure gewandt. In diesem Zusammenhang bedankte er sich auch für die Flexibilität der Beteiligten. Es sei kein Problem gewesen, zwei Liedstrophen kurzfristig zu streichen. So sei alles zu einem runden „Gesamtwerk“ geworden. „Wir haben den Rundfunkgottesdienst als ein Gemeinschaftsprojekt vieler engagierter Beteiligter begriffen. Die Zusammenarbeit mit allen Akteuren hat wirklich gut funktioniert. Die Hörer, die sich anschließend am Hörertelefon bei uns gemeldet haben, waren sehr zufrieden und fühlten sich von unserem Gottesdienst angesprochen“, freute sich André Ost, der gemeinsam mit Sibylle Liening auf die Höreranliegen einging. „Einige haben sich zur Predigt geäußert oder wollten liturgische Texte aus dem Gottesdienst zugeschickt bekommen.“

 

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